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Emotionen – Auslöser für emotionales Essen

Emotionen – Auslöser für emotionales Essen

Foto von Tengyart auf Unsplash

Emotionen prägen uns. Sie durchziehen unsere gedanklichen, körperlichen und sozialen Vorgänge und stehen in Wechselwirkung mit ihnen. Von Entscheidungsprozessen, über zwischenmenschliche Interaktion bis zu Fragen von Gesundheit und Wohlbefinden, nichts lässt sich ohne Emotionen befriedigend erklären – und erleben.  

Emotionen

  • sind verhaltenssteuernd,
  • variieren in ihrer Ausprägung mit der Bedeutsamkeit der jeweiligen Situation,
  • bestehen in spezifischen körperlichen Aktivierungen, die der Situationsanpassung dienen,
  • sind verortbar vor allem im limbischen System, also in jener Funktionseinheit des Gehirns, die der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten dient
  • werden vor allem als Muskelaktivitäten spürbar,
  • sind in der Ausschüttung unterschiedlicher Neurotransmitter (Serotonin, Adrenalin, Oxytocin usw.) messbar,
  • können bewusst wahrgenommen werden und – im Unterschied zum Affekt – beeinflusst werden. Affekte sind sehr intensive, heftige und nur kurzzeitig auftretende Emotionen (z.B. Wut- oder Panikanfälle).

Unser Gefühls-Eisberg

Ein Gefühl, also das, was wir bewusst als Angst, Freude, Wut oder Trauer identifizieren können, ist nur die Spitze des Eisbergs. Wie bei einem Eisberg bleibt auch bei emotionalen Prozessen vieles im Verborgenen. Denn Emotionen betreffen nicht nur das subjektive Erleben, sondern umfassen auch körperliche Reaktionen auf bestimmte Auslöser, die uns auf ein Verhalten vorbereiten und uns zum Handeln bewegen sollen. Eine Emotion ist sehr umfassend und weitreichend. Sie fokussiert unsere Aufmerksamkeit, beeinflusst unser Denkvermögen und unsere Selbsteinschätzung – also unsere kognitiven Prozesse. Sie wirkt sich auf unsere Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck und Schwitzen aus, die vom vegetativen (=autonomen) Nervensystem und von Hormonen gesteuert werden – die physiologische Komponente der Emotion. Schließlich bahnt sich eine Emotion in Mimik, Gestik, Klang der Stimme und Verhaltenstendenzen unweigerlich einen Weg nach außen (Verhaltenskomponente).

 

The Wheel of Emotions

Der amerikanische Psychologe Robert Plutchik hat 1980 das Rad der Emotionen entwickelt, um die verschiedenen Beziehungen zwischen menschlichen Emotionen zu veranschaulichen. Das Rad der Emotionen kann uns dabei helfen, unsere manchmal mysteriösen oder überwältigenden Gefühle zu verstehen. So können wir den tatsächlichen Ursachen für unsere Essanfälle auf den Grund gehen.

Das Emotionsrad ist ein Rahmen, der die verschiedenen Beziehungen zwischen menschlichen Emotionen veranschaulicht. Obwohl angenommen wird, dass Menschen über 34.000 verschiedene Emotionen erleben können, basiert das Modell von Plutchik auf nur acht Grundemotionen, die in verschiedenen Ausprägungen und Kombinationen jede andere Emotion beschreiben, die wir erleben. Diese acht Grundemotionen sind

  • Wut (rage),
  • Wachsamkeit/Klarheit (vigilance)
  • Begeisterung (ecstasy)
  • Bewunderung (admiration)
  • Angst (terror)
  • Erstaunen (amazement)
  • Trauer (grief) und
  • Ekel (loathing).

Indem wir lernen, diese acht Emotionen zu identifizieren, können wir unserem manchmal impulsiven Verstand helfen, objektiv zu bleiben, wenn eine Reaktion ausgelöst wird.

Wenn wir z.B. einer Schlange begegnen kommen wir zu dem Schluss, dass wir in Gefahr sind (Kognition) und als Folge davon Angst (Emotion) verspüren. Diese Angst wiederum motiviert uns, Maßnahmen zu ergreifen, die unsere Überlebenschancen verbessern. Auf die gleiche Art können wir auch unsere emotionalen Essanfälle identifizieren. Wenn eine Kollegin sich mit fremden Federn schmückt und den gemeinsam erstellten Report als den ihren darstellt werden wir traurig (Kognition). Wir suchen Trost und finden diesen in Form eines Schokoriegels.

Plutchiks Rad der Emotionen hilft uns dabei, uns um unsere eigenen Gedanken zu kümmern und ihnen mit Geduld und Neugier zu begegnen. Nach und nach können wir gesündere und konstruktivere Wege finden, um auf eine Situation zu reagieren.

 

The Feeling Wheel

Dr. Gloria Willcox rief, ebenfalls in den 1980er Jahren, das The Feeling Wheel, also das Gefühlsrad, ins Leben und erschuf damit ein in der Psychologie gern genutztes Mittel um Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen ihre wahren Gefühle bewusst zu werden.

Mithilfe des Rades können wir unsere genauen Gefühle und Emotionen erforschen. Wir fragen uns wie wir uns fühlen Dabei verwenden wir das Gefühlsrad von innen nach außen und erforschen warum wir dieses Gefühl haben.

Emotionen

Wie genau die einzelnen Komponenten zusammenhängen, was bei emotionalen Prozessen zuerst kommt und was wie wodurch verursacht wird, beschäftigt die Wissenschaft seit über einem Jahrhundert. Unter Wissenschaftlern ist strittig, ob es Muster physiologischer Veränderungen gibt, die eine eindeutige Diagnose einer Emotion ermöglichen. Emotionen sind so komplex, dass sie für Forscher schwer zu fassen sind, sodass diese sogar mit den grundlegenden Begrifflichkeiten zu kämpfen haben. Dies brachten die beiden Emotionsforscher James Russell und Ernst Fehr in einem viel zitierten Satz auf den Punkt: „Jeder weiß, was eine Emotion ist, bis er gebeten wird, eine Definition dafür zu geben.“

In der Forschung herrscht also Uneinigkeit darüber, wie genau Motivationen und Emotionen zusammenhängen und sich voneinander abgrenzen lassen. Beim Unterschied von Emotionen und Stimmungen gibt es jedoch Konsens. Während unter Emotionen vergleichsweise kurzlebige Reaktionen auf einen – äußeren oder gedanklichen – Anlass, verstanden werden, bezeichnen Stimmungen eher länger anhaltende, weniger stark ausgeprägte Zustände, oft ohne erkennbaren Auslöser.  

Unumstritten ist, dass Emotionen Farbe in unser Leben bringen und diese Farben sind nicht immer nur schön und harmonisch. Aber versucht man sich das Leben ohne sie zu denken, streng sachlich und rational, ohne Gefühl und Mitgefühl, wäre die menschliche Existenz gespenstisch grau, leer und ohne jede Bedeutung. Auch ginge viel von dem verloren, was uns als Personen und unsere Lebensgeschichten jeweils einzigartig macht. Die individuelle Emotionalität ist ein entscheidender Teil unserer Persönlichkeit. Und es sind gerade die mit starken Emotionen einhergehenden Episoden in unserer Vergangenheit, die uns geprägt haben und unsere Identität ausmachen. So können wir uns an die erste Liebe besser erinnern als an den Geographiestoff der Oberstufe und kann das beste Menu in einem Haubenrestaurant nicht annähernd mit dem Apfelstrudel von Oma mithalten. Emotionale Ereignisse graben sich besonders tief in unser Gedächtnis ein.

Häufig – wie auch beim emotionalen Essen – genießen Emotionen einen schlechten Ruf. Sie bringen vernünftige Abwägungen durcheinander, Entscheidungen werden irrational getroffen und Menschen werden unberechenbar. Es ist unbestritten, dass etwa ein hitziger Streit oft wenig zur Problemlösung beiträgt, ebenso wie die Emails in unserer Inbox weniger werden, wenn wir uns beim Lesen mit Schokolade vollstopfen. Jedoch haben sich Emotionen im Laufe der Evolution nicht grundlos entwickelt. Sie sind unerlässlich dafür, überhaupt Entscheidungen treffen zu können und auf unsere Umwelt in angemessener Weise zu reagieren. Antoni Damisio, Neurowissenschaftler an der University of Southern California formuliert es so „Emotionen sind kein Luxus sondern ein komplexes Hilfsmittel im Daseinskampf.“

Emotionen wurden durch die Evolution hervorgebracht, damit wir überlebenswichtige Dinge tun und unsere Gene an die nächste Generation weitergeben. Um dies zu gewährleisten, ist emotional bedingtes Verhalten mit angenehmen oder unangenehmen Gefühlen verbunden. Schreckreaktionen, etwa der Sprung zurück auf den Gehsteig, wenn plötzlich die Hupe neben uns ertönt, können das Leben retten. Ebenso Ekel, der den Menschen davon abhält, krankheitserregende Dinge anzufassen oder zu verspeisen. Lust und Freude zeigen uns wofür es sich lohnt, unsere Energie und Zeit einzusetzen.

„Emotionen sind also ein mächtiges System zur Bewertung von Situationen und zur Initiierung von Handlungen. Und sie sind schnell: Die emotionale Reaktion ist oft schon erfolgt, bevor wir uns der Sache überhaupt bewusst sind, geschweige denn darüber nachgedacht haben.“ Auch für das soziale Miteinander haben Emotionen eine zentrale Funktion. Ein Großteil unserer Kommunikation geschieht – wenn auch oft unbewusst – durch die Übertragung von Emotionen über deren Ausdruckskomponenten, also über Mimik, Gestik Körpersprache und Stimmlage. So können wir uns auf ein Gegenüber einstellen, bevor dieser sein Anliegen überhaupt in Worte gefasst hat, oder wir nehmen in größeren Menschenansammlungen blitzschnell wahr, wo bedeutsame Dinge vor sich gehen, wo es sich teilzuhaben lohnt oder wo möglicherweise Gefahr drohen kann.

Quellen und weiterführende Literatur

Pontes, U. (2018) Was sind Emotionen?

Wikipedia. Emotion.

Lexikon der Neurowissenschaft, Limbisches System

White, M. (2020) Emotion Wheels Help Us Label Our Feelings — Here’s Why That’s Important

How to identify your feelings.

Frühstücks-Wrap “always and everywhere”

Frühstücks-Wrap “always and everywhere”

Dieser Wrap ist das Nonplusultra wenn es um rasch zubereitetes, nährstoffreiches, leckeres Essen geht. Das (Frühstücks)Omelett wird auf ein ganz neues Level gehoben. Ein Omelett aus frischen Bio-Eiern, cremigen Champignons, Jungspinat und Microgreens bekommt durch Oliven und würzigem Tomatenmark einen besonderen Kick. Die Tortilla gibt uns die nötigen Kohlenhydrate für einen guten Start in den Tag. 

Obwohl es nahe liegt den Wrap als Frühstück zu genießen, liebe ich ihn auch nach einem langen Arbeitstag, als Brunch am Wochenende, als schnelles Mittagessen an Home Office-Tagen oder als Snack für Ausflüge und Picknicks. 

Zutaten (für einen Wrap):

  • 2-4 braune oder weiße Champignons 
  • 1 Hand voll frischen Spinat
  • 2 Bio-Eier
  • 2-4 Oliven 
  • 1 Tortilla
  • 1-2 TL Tomatenmark
  • 1 Hand voll Microgreens (z.B. Kresse, Brokkoli, Radieschen, Rucola, etc.) oder Sprossen
  • 1 EL Olivenöl
  • Getrocknete oder frische Kräuter
  • Salz, Pfeffer
  • Als Beilage: frisches Gemüse, z.B. frische Tomaten

Küchenwerkzeug:

  • Küchenbrett
  • Messer
  • Pfanne (ca. in Größe des Durchmessers der Tortilla)
  • Pfannenwender
  • Messbecher
  • Schneebesen

Zubereitung:

Die Champignons putzen und in dünne (ca. 3 mm breite) Scheiben schneiden. 

Den Spinat grob in ca 2-3 cm breite Streifen schneiden. Die Oliven entkernen (ich verwende Kalamataoliven die mit Kräutern eingelegt wurden) und in dünne Scheiden schneiden. 

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Die Champignonscheiben in die Pfanne geben und von beiden Seiten kurz anbraten. Die Temperatur reduzieren.

Die Eier aufschlagen und in einem Messbecher verquirlen. Mit (getrockneten) Kräutern – ich habe Oregano verwendet – und Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Eier in die Pfanne geben und über die Champignons verteilen, Olivenscheiben und Spinat darüberstreuen. Bei geringer Hitze die Eimasse stocken lassen.

Die Tortilla mit Tomatenmark bestreichen und nach 2-3 Minuten auf die Eiermasse in die Pfanne legen. Wenn das Omelett fertiggebraten ist und sich von der Pfanne löst, es mit Hilfe eines Pfannenwenders umdrehen. Microgreens auf das Omelett streuen und die Tortilla je nach Geschmack anbraten, aus der Pfanne nehmen, aufrollen (Achtung: heiß!) und anrichten. Ich streue noch gerne Kräuter oder Microgreens über das Omelett und serviere dazu frische Tomaten (gewürzt mit Meersalz und schwarzen Pfeffer). 

Tipps und Zusatzinfos

Aromatische Pilze

Ob ihr braune oder weiße Champignons verwendet ist reine Geschmacksache. Der Unterschied der beiden Sorten liegt eigentlich nur in dem etwas kräftigeren Aroma der braunen Champignons. Auch enthält die braune Sorte etwas weniger Wasser. In Form und Größe unterscheiden sie sich jedoch nicht. Champignons sind nicht nur köstlich, sondern auch gesund. Sie enthalten zum Beispiel die Vitamine D, B2, Biotin und Niacin sowie die Mineralstoffe Kalium, Eisen, Kupfer, Selen und Phosphor. Dabei fällt ihr Kaloriengehalt von 15 pro 100 Gramm kaum ins Gewicht.

Eier von glücklichen Hühnern

Ich verwende in meiner Küche ausschließlich Bio-Eier, idealerweise direkt von der Bäuerin meines Vertrauens. Bio-Hühner sind immer Freilandhühner, die viel Auslauf haben, Sonne tanken können und ausschließlich biologisches, gentechnikfreies Futter bekommen. Das ist auch der Grund, warum Bio-Eier besonders gut schmecken. Sie sind außerdem reich an Nährstoffen und weisen keine Antibiotikarückstände auf. Die Hühner bekommen – im Unterschied zu Hühnern in der konventionellen Landwirtschaft – keine synthetischen Farbstoffe, die dem Futter zugesetzt sind, weshalb die Bio-Dotter eher blass-geldlich als intensiv-orange sind. 

Spinat – Popeyes’ Kraftfutter

Auch wenn Spinat nicht die Massen an Eisen enthält, die Popeye zu seinen Kräften verholfen haben, ist dieses Blattgemüse dennoch vollgestopft mit Vitaminen und Mineralstoffen und gehört daher zu den gesündesten Gemüsesorten. Spinat ist reich and en Vitaminen der B-Gruppe und an Vitamin C, er enthält außerdem Beta-Carotin, also der Vorstufe von Vitamin A. Außerdem versorgt uns Spinat mit Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Den einzigen Nachteil kann die enthaltene Oxalsäure darstellen, die jedoch durch die richtige Zubereitung reduziert werden kann. Wird der Spinat gedämpft oder gekocht gehen 50-80% der Oxaläure verloren. Junger frischer Spinat enthält nur wenig Oxalsäure weshalb er auch roh genossen werden kann und daher gerne in Smoothies und Salaten zum Einsatz kommt. 

Physischer Hunger vs. emotionaler Hunger

Physischer Hunger vs. emotionaler Hunger

Der Begriff Hunger wird vielfältig verwendet. Wir verstehen unter Hunger ein – in der Regel – unangenehmes Gefühl in der Magengegend, das durch das Bedürfnis nach Nahrung hervorgerufen wird. Hunger führt bei uns zu dem Verlangen etwas zu essen.

Photo by Henri Mathieu-Saint-Laurent on Pexels.com

Nachstehend möchten wir uns die Unterschiede zwischen emotionalem und körperlichem Hunger ansehen. Es soll uns dadurch ermöglicht werden, die Ursachen für unsere Hungergefühle, die große Lust etwas bestimmtes zu essen (z.B. das Verlangen nach Schokolade, den “Gusto” nach einem frischen Croissant oder das Verlangen nach einen Burger) besser einordnen zu können und unsere Ernährung Schritt für Schritt bewusster zu erleben.

Emotionaler und physischer bzw. körperlicher Hunger können sich sehr ähnlich anfühlen.

Physischer Hunger entwickelt sich allmählich. Braucht der Körper Nährstoffe macht er sich bemerkbar indem der Magen knurrt, Konzentrationsschwierigkeiten auftreten, Gedanken ans Essen aufkommen. Weitere Begleiterscheinungen können leichte Kopfschmerzen oder ein Schwächegefühl sein. Der Hunger bezieht sich nicht unbedingt auf ein bestimmtes Lebensmittel und wenn doch lässt er sich auch durch ein anderes Lebensmittel stillen. Nach etwa 20 Minuten nach Beginn der Mahlzeit tritt bei physischem Hunger das Sättigungsgefühl ein.  

Im Gegensatz zum physischen tritt emotionaler Hunger plötzlich auf, muss sofort befriedigt werden und bringt ein starkes Verlangen nach einem bestimmten Lebensmittel oder Gericht mit sich. Dabei handelt es sich meist um sogenanntes Comfort Foods, also Speisen, die Wohlbefinden in uns auslösen, wie Pizza, Schokolade oder Kuchen. Weiters kennzeichnet sich emotionaler Hunger dadurch, dass kein Sättigungsgefühl eintritt. Ursache dafür ist, dass das eigentliche Bedürfnis (nach Geborgenheit, Liebe, Nähe, Harmonie, etc.) nicht durch Essen befriedigt werden kann. In dem Moment, in dem wir aus emotionalem Hunger essen, dient die Nahrung nur der Kompensation und Betäubung der Ursache dahinter. Nach dem Essen tritt daher keine Sättigung ein und Betroffene können ein schlechtes Gewissen oder Schamgefühl entwickeln.  

Emotionaler v. körperlicher Hunger, https://laufvernarrt.de/emotionaler-hunger/

Was ist emotionales Essen?

Was ist emotionales Essen?

Wir essen nicht immer nur, um den körperlichen Hunger zu stillen, sondern wenden uns auch dem Essen zu, um uns zu trösten, Stress abzubauen oder uns selbst zu belohnen. Und in diesem Fall greifen wir meist zu Junk-Food, Süßigkeiten und anderen beruhigenden, aber ungesunden Lebensmitteln. Emotionales Essen findet immer dann statt, wenn wir Nahrungsmittel verwenden, damit wir uns besser fühlen. Wir stillen emotionale Bedürfnisse.

Emotionales Essen dient in diesen Situationen nicht dazu, physischen Hunger zu stillen, sondern es hat ganz andere Funktionen: ablenken, trösten und belohnen. Jedoch löst Essen keine emotionalen Probleme. Tatsächlich fühlen wir uns dadurch in der Regel noch schlechter. Danach bleibt nicht nur das ursprüngliche emotionale Problem bestehen, sondern wir fühlen uns auch schuldig, weil wir zu viel gegessen haben.  Unser Unterbewusstsein versucht durch emotionalen Hunger unsere Gefühle in den Griff zu bekommen und Probleme zu bewältigen. In Wahrheit kompensieren wir in diesem Moment aber nur die zugrundeliegenden Probleme und nach der Hungerattacke machen sich rasch Schuldgefühle breit.  

Häufig haben wir dieses Verhalten schon in der Kindheit erlernt, wenn unsere Eltern uns mit einer Kugel Eis belohnt oder mit Keksen ruhiggestellt haben. Durch dieses Verhalten festigen Eltern unbewusst die Bindung von Emotionen an das Essen. Im Erwachsenenalter ist es sehr schwer, davon loszukommen und ein natürliches Essverhalten wiederzuerlangen. So greifen wir auch heute bei Liebeskummer zu einer großen Portion Eis oder im Job zwischen Emails, Telefonaten und Meetings immer wieder zum Schokoriegel oder zur Topfengolatsche.

Emotionales Essen funktioniert nicht auf einer Vernunftebene, sondern auf einer Ebene in unserem Unterbewusstsein. Wir essen, ohne es bewusst wahrzunehmen. Es ist ein Automatismus, gekoppelt an ein Gefühl oder eine Gewohnheit, die nach einem auslösenden Moment völlig automatisch abläuft. Wir denken nicht darüber nach, sondern essen einfach. Essen ist somit die Antwort auf zu viel inneren Druck oder Stress und geht über die eigentliche Nahrungsaufnahme hinaus. Wenn wir emotional essen, versuchen wir einem Moment des Unwohlseins zu entfliehen und inneren Druck abzubauen. Bestimmte Muster sind nach tausenden Wiederholungen so verinnerlicht, dass wir diese nicht mehr in Frage stellen und damit auch keine rationalen Entscheidungen treffen. Schon in jungen Jahren haben wir Essen mit etwas Positiven verbunden. Das passiert bereits beim Stillen und Bonding im Säuglingsalter. Essen ruft positive Gefühle und Erinnerungen hervor und wir lernen, dass wir Essen zweckentfremden können, um es gegen unsere negativen Gefühle einzusetzen. So kommt es beim emotionalen Essen immer wieder zu Kontrollverlusten. Wir essen unkontrolliert große Mengen, schlingen Essen hinunter oder können damit nicht aufhören.

Wenn emotionales Essen zur Essstörung wird

Die Folgewirkungen von emotionalem Essen können ernsthafte Essstörungen wie Anorexia, Binge Eating oder Bulimie sein, aber auch steigende Unzufriedenheit mit uns selbst durch die ständigen Heißhungerattacken und daraus resultierendem Übergewicht oder Adipositas sein.

Ein typisches Merkmal für eine Essstörung ist das ständige Kreisen der Gedanken um das Gewicht. Zusätzlich nimmt das Essverhalten einen großen Raum im Leben ein. Vielleicht beginnt wir auch unsere Mahlzeiten und Snacks heimlich zu essen und fühlen uns zunehmend unwohler in unserer Haut oder verabscheuen sogar einige Körperregionen.

Anorexie und Bulimie

Essstörungen sind ernsthafte Erkrankungen. Während eine Anorexie (Magersucht) durch starken Gewichtsverlust oder anhaltendes Untergewicht gekennzeichnet ist und Betroffene große Angst vor einer Gewichtszunahme oder drohendem Übergewicht haben, kommt es bei der Bulimie hingegen zu regelmäßigen Essanfällen und Betroffene sind nicht mehr in der Lage zu kontrollieren, was sie essen und sie können keine rationalen Entscheidungen bei der Essensauswahl mehr treffen. Sie setzen „Gegenmaßnahmen“ um dem Gefühl nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können, zu entkommen. Nach einem Essanfall wird gehungert, unregelmäßig gegessen, gefastet oder extrem viel Sport getrieben. Hinzu kommen erzwungenes Erbrechen oder die Einnahme von Medikamenten wie Appetitzüglern, Abführmitteln oder entwässernden Stoffen.

Binge-Eating-Störung

Die Binge-Eating-Störung zeigt sich anders. Sie kommt dem emotionalen Essen am Nächsten und geht häufig mit steigendem Übergewicht einher. Der englische Begriff „binge eating“ steht für exzessives, übermäßiges Essen. Wie in der Bulimie kommt es zu dem Gefühl, nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können und auch nicht kontrollieren zu können, was und wieviel man isst. Typische Merkmale für diese Form der Essanfälle sind:

  • Schnelleres Essen als normalerweise
  • Der nächsten Bissen wird schon in den Mund genommen, ohne den bisherigen gekaut oder gar hinuntergeschluckt zu haben
  • Man hört erst dann auf zu essen, wenn man sich unwohl fühlst oder sogar übel wird
  • die Essattacken treten unabhängig von einem echten Hungergefühl auf
  • die Essanfälle werden vor anderen verheimlicht und man isst meist allein
  • nach einem Essenfall treten Schuldgefühle auf und man ekelt sich gar vor sich selbst.

Das Leiden bei eine Binge-Eating-Störung ist groß und geht mit einem ausgeprägten Schamgefühl einher. Die Störung verläuft selten geradlinig, es kommt also immer wieder zu unterschiedlichen Phasen, die sich abwechseln können. Phasen ohne Symptome oder Essanfälle folgen wieder Perioden, in denen die Störung stark ausgeprägt ist. Eine solche Essstörung kann mit einem sozialen Rückzug verbunden sein, weil man sein auffälliges Essverhalten vor anderen geheim halten will. Die Binge-Eating-Störung kann auch bei Menschen mit Normalgewicht auftreten, jedoch ist die Mehrzahl der Betroffenen übergewichtig oder adipös. Übergewicht birgt das Risiko für viele körperliche Erkrankungen wie z.B. Herz-Kreislauf-Störungen, Diabetes oder Gelenksprobleme. Betroffene mit einer Binge-Eating-Störung leiden häufig auch unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Ängsten, wobei die Essstörung diese Probleme noch verstärkt.

Kreislauf des emotionalen Essens

Gelegentlich Essen zur Aufheiterung, als Belohnung oder zum Feiern zu verwenden, ist nicht zwingend schlecht. Wenn Essen aber zum primären emotionalen Bewältigungsmechanismus wird und der erste Impuls bei Stress, Ärger, Wut, Einsamkeit, Erschöpfung oder Langeweile darin besteht, den Kühlschrank oder die Naschlade zu plündern, stecken wir in einem ungesunden Kreislauf fest, in dem das wahre Gefühl oder Problem hinter unserem Verhalten nie angesprochen wird.

Emotionalen Hunger können wir nicht mit Nahrung stillen. Wenn eine Emotion auftritt, die Auslöser für eine Essattacke oder Heißhunger ist, mag sich Essen in dem Moment sehr gut anfühlen. Aber das Gefühl, dass das Essen ausgelöst hat, ist immer noch da. Wir geraten in einen Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist. Wir fühlen uns aufgrund der ungesunden Nahrungsmittel und der unnötig zu uns genommenen Kalorien meist schlechter als zuvor. Scham und das Gefühl versagt zu haben führen zu noch mehr Frust. Das Problem wird noch verschärft, indem wir uns unseren Emotionen geschlagen geben und in einen Teufelskreis von unaufgearbeiteten Gefühlen und ungesunder Ernährung verfallen. Es fällt uns immer schwerer unser Gewicht zu kontrollieren und wir fühlen uns machtlos dem Essen und unserer Gefühle ausgeliefert.

Quellen und weiterführende Literatur

Pharmazeutische Zeitung online. (2015). Wenn Gefühle Hunger leiden. Abfrage am 30. April 2023, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-402015/wenn-gefuehle-hunger-leiden/

Smith, M./Robinson L./Segal J. (2023). Emotional Eating and How to Stop It. Abfrage am 30. April 2023, https://www.helpguide.org/articles/diets/emotional-eating.htm

Vergin, K. (2023), Emotional Eating, Wie du die Hintergründe deines Essverhaltens verstehst und innere Balance findest, E-Book. Rowohlt Verlag, Hamburg.

Wirth A. (2021). Emotionales Essen – Wenn Nahrung nicht satt macht. Abfrage am 30. April 2023, https://www.brain-effect.com/magazin/emotionales-essen#Quellen